Hinrichtung

 
  Letzte Woche in der Nacht zu Dienstag wurde Gerechtigkeit vollzogen - oder besser Barbarei. In vielen Ländern unserer angeblichen Hochkultur sind die Inhalte beider Begriffe kongruent.

Ein blinder und fast tauber Greiß ist in dieser Nacht zu seiner Hinrichtung geschoben worden.

Vor vier Monaten war der Greis nach einem Herzinfarkt mit knapper Not wieder belebt worden. Nun brauchte man die doppelte Dosis Gift, um ihm dieses Leben wieder zu nehmen. Dies alles im Namen des Volkes und unter Gebeten. Wie krank müssen Menschen denken, um so etwas zu vollziehen?

Sollte sie jemals jemand fragen was barbarisch bedeutet, dann erzählen sie ihm diese Geschichte, die Geschichte des Sterbens von Clarence Ray Allen. Oder wenn sie nach der Bedeutungvon unmenschlich gefragt werden, oder obszön, oder unzivilisert.

George Ryan, der Gouverneur von Illinois, hat vor fast genau drei Jahren als letzte Amtshandlung vor seinem Rücktritt alle 167 Todesurteile in seinem Staat in lebenslange Freiheitsstrafen umgewandelt. "Ich werde heute Nacht gut schlafen, weil ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe", sagte er und trotzte damit allen Anfeindungen gegen diese Entscheidung.

Er hat damit bewiesen, dass niemand ein unmenschliches Rechtssystem hinnehmen muss, eines dass, wie in den USA, Menschen im Namen des Volkes erhängt, vergast, zu Tode spritzt oder mit Stromstößen umbringt.

Aber auch wir in Deutschland haben keinen Grund, überheblich zu sein. Zwar gibt es keine Todesstrafe, aber ein System von Strafvollzug, dass sich selbst hundertfach über die eingenen Gesetzte und Vorschriften hinwegsetzt. Wir sollten gelernt haben - wehret den Anfängen!

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat dagegen binnen weniger Wochen erneut die Begnadigung eines zu Tode verurteilten verweigert. Als Conan der Barbar hat Schwarzenegger seine (Film-)Karriere begonnen, als der Barbar wird er nun auch in Kalifornien in Erinnerung bleiben. Es hat einen Grund, warum die Österreicher von ihrem ehemaligen "Liebling" abrücken. Vielleicht hat das auch mit Erinnerungen aus jüngster Geschichte zu tun.

Verantwortlich: Uwe Schmidt, Friedenspfad